Kröllwitz

Apropos Saale, Kröllwitz war ursprünglich ein sorbisches Fischerdorf.
Wir bewegen uns inzwischen ein wenig außerhalb des Zentrums, aber der Vorteil an einer vergleichsweise kleinen Großstadt ist, dass man von jeder Ecke aus schnell im Stadtkern ist. Und es stimmt, auch wenn die Straßenbahnanbindung nicht überall in Kröllwitz die stärkste ist, genügt es doch vollends, um in die Innenstadt zu gelangen.

Aber wozu in die Innenstadt, wenn doch alles, was man braucht, auch hier zu finden ist? Kröllwitz hat einen Unicampus, ein Krankenhaus, eine Kirche und Supermärkte. Im Süden von Kröllwitz liegt der Technologiepark Weinberg Campus, auf dem viele universitäre und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen angesiedelt sind und gemeinsam z. B. auf den unterschiedlichsten Gebieten der Biochemie, der Biotechnologie, der Agrarwissenschaften und der Ernährungswissenschaften forschen. Auf dem Campus befinden sich auch die Weinberg-Mensa und eine Wohnanlage des Studentenwerks.

Vom Campus nur einen Katzensprung entfernt liegt das Universitätsklinikum Halle  – es ist, wie es der Name schon verrät, an die Medizinische Fakultät der MLU angegliedert, die sich allerdings auf dem Medizinercampus in der Nördlichen Innenstadt befindet. Die Uniklinik wurde in den 70er- bis 80er-Jahren als Klinikum Kröllwitz erbaut und ging noch während des Baus 1979 an die MLU über. Ein sehr eindrucksvolles Gebäude.

Foto: Thomas Ziegler

Foto: Thomas Ziegler

Die Petruskirche ist nicht so groß und erhaben wie die Pauluskirche, steht ihr aber in nichts nach. Sie ziert genauso der rote Backstein, ganze sieben Monate früher erfolgte in Kröllwitz die Grundsteinlegung, sie wurde ebenfalls auf einem „Hügel“ errichtet – dem Tanneberg, ein 30 m hoher Porphyrfelsen am Saaleufer – und jetzt lasst uns kurz innehalten und die Tatsache genießen, dass der Sockel und sämtliche Treppenaufgänge der Pauluskirche aus Porphyr bestehen. Seht euch einfach beide Kirchen mal an, aus historischer und architektonischer Sicht lohnt sich das immer!

Um beim Thema Kultur zu bleiben: Ganz in der Nähe der Petruskirche befindet sich die Kunsthalle Talstraße – eine alte Stadtvilla, die seit den 50er-Jahren als Atelier und Arbeitsstätte für junge Künstlerinnen und Künstler aus Halle eine Art Heimathafen an der Saale bietet, in der heute noch Galerien und Ausstellungen stattfinden und an die sich ein süßer, kleiner, versteckter Garten mit einem Skulpturenpark unterhalb des Tannebergs anschließt.

Das eigentliche Highlight in diesem Teil der Stadt sind aber ohne Frage die Landschaft und die Saale. Man muss das einfach mal gesehen haben. 

Neben dem Tanneberg lohnt sich auch ein Ausflug zum Ochsenberg. Besonders dieser Teil von Kröllwitz ist so hoch gelegen, dass man von überall einen großartigen Ausblick genießen kann. Ob auf die alte Kefersteinsche Papierfabrik, in der über fünf Generationen lang von 1715 bis 1940 Papier hergestellt wurde und die heute als Ruine am nördlichen Saaleufer steht, oder auf die Burg Giebichenstein, die sich doch wahnsinnig eindrucksvoll aus dem gegenüberliegenden Ufer erhebt. Halle hat schon ein bisschen Magie.

Wer von der Saale noch nicht genug hat, sollte auch seinen nächsten Spaziergang zum Amselgrund und zur Brüderhöhle machen. Um die Brüderhöhle rankt sich übrigens die tragische Sage, dass hier einst zwei Brüder um dasselbe Mädchen kämpften und bei der Höhle verstarben, in der das Mädchen sie beerdigte. Möchte jemand auf Geisterjagd gehen? 

Und wer wirklich genug hat vom Saaleufer, für den bietet ja vielleicht das Naturschutzgebiet Brandberge die ersehnte Erholung.

Zugegeben, in Kröllwitz werden die Straßenlaternen nicht gerade mit Strobolicht betrieben. Hier reihen sich nicht Restaurants an Cafés an Bistros und hier fällt man auch nicht vom Kino ins Theater. Aber zum Leben, Verweilen, Spazierengehen, Wohnen, Bahnfahren, Eisessen, Staunen, Bewundern und Durchatmen gibt es hier unzählige Gelegenheiten und die sollte man wirklich nicht verpassen.